
Das Kloster Geghard und der Tempel von Garni
Von Jerewan aus führt ein lohnender Tagesausflug Richtung Osten, in die Ausläufer des Gegham-Gebirges, durch die sich der Bergfluss Azat sein Tal gegraben hat. Wo hohe Basaltfelsen das Tal zur Schlucht formen steht der hellenistische Tempel von Garni. Das Weltkulturerbekomitee hat ihn zwar ausgespart, als ein Vorposten griechisch-römischer Kultur im Orient ist er aber unbedingt sehenswert. Eine kleine Ausgrabung eines Palastes neben dem Tempel hat zudem einen Mosaikboden aus dem 2. oder 3. Jahrhundert n.Chr. ans Licht gebracht.
Geghard, das „Kloster der Heiligen Lanze”, befindet sich am Ende des Azat-Tales in einer überaus malerischen Szenerie. Dichte Bäume und Sträucher leisten dem rauhen Bergklima zwischen pittoresken Felsen Widerstand. Wie eine gut getarnte und bewehrte Festung scheint das Kloster mit der Landschaft verwachsen. Und tatsächlich gehen die natürlichen Gegebenheiten mit der Architektur eine besondere Symbiose ein: große Teile der Anlage sind nicht Stein auf Stein gemauert, sondern aus Höhlen im weichen Vulkangestein heraus gearbeitet. Eine dieser Felskirchen beherbergt eine heilige Quelle, an der sich vor Urzeiten ein heidnisches Wasserheiligtum befand. Geghard ist ein Beispiel für die Blüte der armenischen Klosterarchitektur im späten Mittelalter, die Gebäude stammen vorwiegend aus dem 13. Jahrhundert. Die Ornamente weisen georgische und seldschukische Einflüsse auf, auch hier entsteht der „typisch armenische” Stil aus einer Verbindung der verschiedensten Kulturen. Besonders interessant ist das Stalaktitwerk an den Decken der Höhlenkirchen; die stilisierten Tropfsteine sind eigentlich für die islamische Baukunst charakteristisch, Geghard ist ein Beleg für ihre gemeinsamen Wurzeln mit der christlichen Architektur. Seine jahrhundertelange Prominenz als Wallfahrtsort verdankt das Kloster einer besonderen Reliquie, nämlich der Lanze, die die Seite Christi am Kreuz durchbohrt haben soll. Sie ist heute im Museum von Edschmiadzin zu sehen. Geghard hat aber seine Anziehungskraft bis heute kaum eingebüßt, vor allem an Wochenenden verwandelt sich das idyllische Tal des Azat in einen einzigen großen Festplatz. In jedem Fall wird dabei das traditionelle Grillfleisch Chorovats bereitet, sei es einfach so oder als Teil eines Tieropfers. In diesem Opfer, dem so genannten Matagh, haben sich heidnische Riten erhalten und mit dem christlichen Glauben verbunden. Es wird mit Schafen, Ziegen, Hühnern oder Tauben zelebriert und als Dank- oder Bittritual im Familien- und Freundeskreis gefeiert. Übrigens besteht seit dem 2. Juni 2002 eine Partnerschaft der Weltkulturerbestätten Geghard und Kloster Lorsch in Hessen - eine bislang einmalige Verbindung zwischen Stätten der UNESCO-Liste.
Mehr Informationen
über Garni, Geghard und weitere Sehenswürdigkeiten des Azat-Tals in Rediscovering Armenia (englisch) ...
Anzeige


