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Kathedrale von Edschmiadzin - (c) Nils-Christian Engel

Edschmiadzin

Die Kathedrale und Kirchen von Edschmiadzin mit dem Ruinenfeld von Swartnots

Als um den „Vatikan” genannten Hügel in Rom noch die Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian tobte, geschah am äußersten Rand der römischen Welt etwas Bemerkenswertes: König Tiridates III., ein Herrscher von Roms Gnaden, bekehrte sich zum Christentum und machte es zur Religion seines Königreiches Armenien. Im Jahre 301 war damit der erste christliche Staat entstanden, rund 10 Jahre bevor Rom sich auch nur zu einer halbherzigen Toleranz durchrang.

Natürlich ranken sich zahlreiche Legenden um diesen Gründungsakt, etwa die von der rätselhaften Krankheit des Tiridates, die ihn nach und nach in ein Wildschwein zu verwandeln drohte. Äußerliche und innere Heilung versprach nur der seit 15 Jahren eingekerkerte Bischof der armenischen Kirche, Gregor der Erleuchter. Nach 66 Tagen ununterbrochener Predigt bekehrte sich Tiridates - geheilt! - zum Christentum.

Edschmiadzin
Auf dem Weg zur KAthedrale

In einer Vision sah Gregor Christus vom Himmel herabsteigen und mit einem glühenden Hammer auf eine Stelle in der Königsstadt Vagharschapat deuten: Hier sollte eine Kathedrale entstehen, und das Oberhaupt der armenischen Kirche seinen Sitz haben. Edschmiadzin bedeutet, dass hier „der Eingeborene Sohn herabstieg”. An diesem Ort begann das Herz dieser Kirche zu schlagen, und wer heute die Gottesdienste mit den vielen armenischstämmigen Pilgern aus aller Welt erlebt, spürt ihren Puls deutlich. Natürlich versammeln sich vor dem Sitz des Katholikos nicht so viele Menschen wie auf dem Petersplatz in Rom - an Alter und Ehrwürdigkeit kann sich Edschmiadzin mit dem Vatikan aber durchaus messen!

Kern des armenischen Kirchenzentrums von Edschmiadzin ist die Kathedrale. Auf den ersten Blick sieht man dem Komplex an, dass er im Laufe einer langen Baugeschichte gewachsen ist. Von der ersten Kirche, die Gregor der Erleuchter im vierten Jahrhundert über einem heidnischen Tempel errichten ließ, ist nichts erhalten. Der sichtbare Kern des heutigen Baues datiert aber immerhin aus dem 5. Jahrhundert. Sein Innenraum wird durch die Vierung mit ihren massiven Pfeilern bestimmt, die auf diese älteste Schicht zurückgehen. Den Gesamteindruck bestimmen Erweiterungen vor allem des 17. Jahrhunderts. Die prachtvollen Fresken wurden im 17. und 18. Jahrhundert von der Malerfamilie Hovnatanjan geschaffen; drei Generationen waren mit diesem Werk beschäftigt. Dass die Ornamente viele persische Einflüsse aufweisen, ist typisch für eine typisch armenische Kunst ... Ein Besuch der Kathedrale sollte möglichst mit einem Besuch des Gottesdienstes verbunden werden. Die armenische Kirchenmusik birgt auch für Kenner der Orthodoxie viele Überraschungen und wird in Edschmiadzin von hervorragenden Sängern vorgetragen. Anschließend empfiehlt sich ein Gang durch das Museum in der Sakristei, das einen Teil der armenischen Kirchenschätze zeigt. Der Bereich um die Kathedrale beherbergt schließlich eine sehenswerte Auswahl charakteristischer Kreuzsteine, denen hier ein eigener Beitrag gewidmet sein wird.

Surb Hripsime
Surb Hripsime

Schon Gregor der Erleuchter legte die Grundsteine zum Gesamtensemble von Edschmiadzin, das als ganzes in der UNESCO-Weltkulturerbeliste geführt wird. Die Märtyrerkirchen Surb Hripsime, Surb Gajane und Surb Schoghakat erinnern an das Martyrium frommer Christinnen, die vor den diokletianischen Verfolgungen geflohen waren. Ihre Hinrichtung durch König Tiridates III. ist ein wichtiger Bestandteil der Gründungslegende der armenischen Kirche. Architektonisch ist von diesen Bauten vor allem die Hripsime-Kirche bedeutend: Ohne jeglichen Bauschmuck ist sie doch ein vollendetes Beispiel typisch armenischer Kirchenarchitektur. Auch ohne tiefergehende Fachkenntnis prägen sich zwei Charakteristika dieses Stils unmittelbar ein: Die blockhafte Geschlossenheit der äußeren Erscheinung und die erhabene Weite des Innenraums. An Surb Hripsime kann man diesem scheinbaren Widerspruch nachgehen und so viel über das Besondere armenischer Kirchen erfahren.

Swartnots
Swartnots

Die Weltkulturerbestätte Edschmiadzin bezieht mit der einstigen Kathedrale von Swartnots schließlich ein außergewöhnliches Ruinenfeld mit ein, das seinen Besuchern alles andere als langweiligen Trümmertourismus bietet. Man steht vor den imposanten Resten eines ehrgeizigen Baues, der in der kurzen Zeit seines Bestehens weltweite Bekanntheit erlangte. Die in den Jahren 642-652 unter Katholikos Nerses III. erbaute Rundkirche entwickelte den „Hripsime-Typ” weiter; der Grundriss verbindet die Formen des Quadrates, des Kreuzes und schließlich des Kreises. Auch die bloßen Ausmaße von 52 m Durchmesser und vermutlich 49 m Höhe heben die Kathedrale Swartnots gegenüber anderen bedeutenden Kirchen Armeniens hervor. Dass sie zudem reich geschmückt war, zeigen die Fragmente von Weinranken- und Granatapfelornamenten, die neben dem Ruinenfeld besichtigt werden können. Nur eines hatten die Baumeister bei der gewagten Konstruktion nicht genug bedacht, und dieser Fehler wurde der Kathedrale schließlich zum Verhängnis: Dass auch noch so ambitionierte Bauten statische Grenzen haben, vor allem in dieser Gegend der Welt. Schon im Jahre 930 warf ein Erdbeben den gesamten Komplex in Trümmer.

Mehr Informationen

über die Kirchen von Edschmiadzin in Rediscovering Armenia (englisch) ...



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