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Atomkraftwerk Metsamor

Die Sicherheit des armenischen Kernkraftwerkes bleibt umstritten: Eine Bestandsaufnahme

„Energiefragen stehen immer im Rampenlicht der armenischen Regierung“, so äußerte sich Serzh Sargsyan, der Präsident der Republik Armenien, bei einem Treffen mit dem präsidialen Rat für die Sicherheit der Atomenergie am 2.12.2008 in Jerewan. Im Fokus der Gespräche standen die Bemühungen, die Sicherheit des Kernkraftwerkes Metsamor, das zurzeit 40% der Energie für Armenien erzeugt, zu verbessern. Allein im vergangenen Jahr seien mehr als 10 Millionen USD in Sicherheitsmaßnahmen investiert worden, so Gagik Markosyan, Generaldirektor des Kernkraftwerkes.

 

Der Reaktor, der seit 1980 Energie für Armenien erzeugt, war im März 1989 nach Protesten in Folge des Erdbebens von Spitak abgeschaltet und 1995 aufgrund des Energienotstandes während des Karabach-Konfliktes wieder in Betrieb genommen worden. Bis 2016 soll das Kernkraftwerk, das nur 38 Kilometer von Jerewan entfernt errichtet wurde, weiter Strom erzeugen. Ashot Mnatsakanyan, Stellervertreter des Inspektors für Sicherheit von Atomenergie in der Republik Armenien, betonte 2006, dass das Kraftwerk gegen Erdbeben gesichert sei. Der Vorsitzende des Rates für Reaktorsicherheit der Republik Armenien und ehemalige Vorsitzende der deutschen Gesellschaft für Reaktorsicherkeit, Prof. Dr. Adolf Birkhofer, gratulierte der armenischen Regierung zu den Verbesserungen, die in den letzten Jahren am Reaktor durchgeführt wurden: „Er ist sehr sicher verglichen mit ähnlichen Atomkraftwerken auf der ganzen Welt.“

 

Zweifel an dieser Einschätzung bestehen gleichwohl: Greenpeace dagegen bezeichnete 2002 das Kraftwerk in Metsamor aufgrund der erdbebengefährdeten Lage als „das gefährlichste Europas“. Die Deutsch-Armenische Gesellschaft schreibt in ihrem Bericht zur Lage Armeniens 2001, dass das Kraftwerk zwar auf einem „stabilen Erdblock“ stehe, die Reaktoren dieser Bauart aber „einige zusätzliche Mängel aufweisen, die auch durch Nachrüstung nicht gänzlich behoben werden können.“ Jan Haverkamp, Atomenergie-Experte für Greenpeace Zentral- und Osteuropa, äußert sich im Gespräch mit destinatio.de kritisch: „Das Kraftwerk kann nicht als „sicher“ eingestuft werden.“ Nicht nachbesserbare Mängel seien die Ursache gewesen, dass in der EU der letzte Reaktor gleicher Bauart in Bohunice (Slowakei) am 31.12.2008 abgeschaltet wurde. Bezüglich der Erdbebengefährdung verwies Haverkamp auf das japanische Atomkraftwerk Kashiwazaki-Kariwa, in dem sich 2007 nach einem Erdbeben ein Transformatorbrand ereignet hatte. Dabei sei laut Technology Review auch Radioaktivität freigesetzt worden. Fazit des Greenpeace-Experten: „Die Region in Armenien ist vergleichweise seismisch aktiv und Probleme können da schlichtweg nicht ausgeschlossen werden.“ Die EU hat Armenien 121 Millionen USD geboten, wenn Metsamor vom Netz genommen würde, da eine Schutzhülle fehle, die im Falle einer Havarie das Ausweichen radioaktiver Dämpfe verhindern könnte.

 

Der Neubau eines Reaktors werde rund 5 Milliarden USD kosten, sagte Armen Movsisyan, Minister für Energie und natürliche Resourcen der Republik Armenien, im Gespräch mit RFE/RL am 18.05.2009. Damit korrigierte er seine Schätzung von September 2008, laut der er mit 4 Milliarden USD gerechnet hatte.
Ende 2010 oder Anfang 2011 werde die Konstruktion des neuen Reaktors beginnen, so der Minister. Der neue Reaktor solle 1000-1200 MW bereitstellen, dann könne sein Vorgänger vom Netz genommen werden. Für das neue Projekt benötige man ausländische Investoren, die Internationale Atomenergieorganisation (IAEA) werde eine der Hauptbeteilgten. Laut Movsisyan sei geplant, den neuen Reaktor auf dem Gelände des bestehenden Atomkraftwerkes zu bauen, um Kosten zu sparen.

Mehr Informationen

über das Kernkraftwerk Metsamor in folgenden Medien:

 

armradio.am

ARKA

ARKA

PanARMENIAN.Net

Greenpeace

RFE/RL

 



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